Deutschdidaktische Professionsforschung als Unterrichtsprozessforschung
Abstract
Im Beitrag werden Richtungen der Professionsforschung unterschieden, die strukturtheoretische Professionsforschung wird erläutert. Als Hauptmerkmal professionellen Handelns wird die stellvertretende Krisenbewältigung skizziert, wobei im pädagogischen Kontext die passenden Krisen erst gefunden und erzeugt werden müssen: Autonomie wird nicht wiederhergestellt, sondern überhaupt erst hergestellt als Krise des Ich-Welt-Verhältnisses (Erkenntnis-krise) und als ihre Bewältigung, die als Krise durch Muße von anderen Krisenformen abgegrenzt wird. Der Lehrende muss dafür Experte der Sache und professionell Handelnder zugleich sein. Da im Handlungsfeld Unterricht aufgrund von Normendivergenzen fortlaufend Vermittlungskrisen auftreten, ist ein professioneller Umgang mit Erkenntniskrisen unumgänglich. In deutschdidaktischen Forschungsberichten zeigt sich ein dominantes Interesse an der Verknüpfung von Professionsforschung und Unterrichtsoptimierung, der einengende Fokus auf Lehrerwissensforschung und schließlich der Wunsch nach einer Unterrichtsprozessforschung, der dabei allerdings von einer Professionsforschung unterschieden wird. Basierend auf der eigenen Forschungspraxis des Autors werden mögliche Forschungsfragestellungen einer professionsbezogenen fachdidaktischen Unterrichtsprozessforschung vorgestellt, die einen Beitrag zur Kritikfähigkeit angehender DeutschlehrerInnen leisten sollen. Reflektiert werden Möglichkeiten und Grenzen der Fallarbeit in der Deutschlehrendenausbildung. Curriculare Überlegungen zu ihrer Implementation schließen den Beitrag.
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