Das Wechselspiel von subjektiver Involviertheit und genauer Textwahrnehmung – Anmerkungen zu einer bildungsbedeutsamen Beziehung

Authors

  • Ulrike Siebauer Universität Regensburg Author

Abstract

Texte machen einen Eindruck. Sie berühren, wenn ein Leser in ihnen Erfahrungen, Haltungen, Wünsche, Emotionen wiedererkennt oder für sich entdeckt, wenn durch Literatur Alteritätserfahrungen ermöglicht, Erkenntnis und Wahrnehmung des Lebens und der Welt erweitert werden in Empathie oder Distanzierung. Damit aber Literatur zur bildenden Erfahrung wird, muss die subjektive Involviertheit eine Symbiose eingehen mit einer Genauigkeit in der Textwahrnehmung. Spinner verweist in seinen elf Aspekten literarischen Lernens darauf, dass „[s]ubjektive Involviertheit und genaue Textwahrnehmung […] sich dabei wechselseitig steigern“ (Spinner 2006, 8) können. Entdeckungen im Text können die individuelle Vorstellungsbildung beeinflussen und durch „Prozesse der Wiedererkennung oder der Verfremdung“ (ebd.) eine Resonanz und Selbstreflexion beim Leser erzeugen. Der folgende Text betont die Bedeutung der Literatur für die Bildung. Die derzeit viel diskutierten objektivierbaren Kompetenzen und Testverfahren im literarischen Lernen greifen im Blick auf Bildungsprozesse zu kurz, weil sie die Textwahrnehmung auf das reduzieren, was messbar ist. Das Konzept eines erfahrungsorientierten Literaturunterrichts (Lösener/Siebauer 2014) plädiert für einen Dreiklang in der Textrezeption, der von einem individuellen, erfahrungsorientierten Texteindruck ausgeht, diesen Eindruck in einer Arbeitshypothese oder kreativen Gestaltung konkretisiert und ihn auf der Basis genauer Textuntersuchungen diskutiert.

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Published

2015-10-06

How to Cite

Siebauer, U. (2015). Das Wechselspiel von subjektiver Involviertheit und genauer Textwahrnehmung – Anmerkungen zu einer bildungsbedeutsamen Beziehung. Leseräume, 2, 129–139. https://chost53.zim.uni-wuppertal.de/index.php/lr/article/view/120