Professionelle Wahrnehmung von Lernendentexten als Voraussetzung für die Reflexion KI-generierten Feedbacks
Abstract
Der zunehmende Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz im Deutschunterricht der Primar- und Sekundarstufe eröffnet neue Möglichkeiten für die Bereitstellung individualisierten Feedbacks zu Lernendentexten. Zugleich entstehen neue Anforderungen an Lehrpersonen, die die Angemessenheit KI-generierter Feedbacks im Hinblick auf konkrete Lernendentexte und Lernsituationen reflektieren müssen. Eine zentrale Voraussetzung hierfür ist die professionelle Wahrnehmung feedbackrelevanter Aspekte in den Lernendentexten. Der vorliegende Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund, wie Lehramtsstudierende feedbackrelevante Aspekte wahrnehmen. Auf Grundlage einer qualitativen Fallstudie werden Markierungen und Kommentare von zwei fortgeschrittenen Studierenden analysiert, die im Rahmen eines Workshops zu KI-gestütztem Feedback einen argumentativen Text eines Sechstklässlers bearbeitet haben. Die Datenerhebung erfolgte mithilfe einer digitalen Lernumgebung, die sämtliche Interaktionen in Logfiles dokumentierte. Im Fokus der Analyse stehen insbesondere Wahrnehmungen zur Kontextualisierungs- und Textgestaltungskompetenz. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede sowohl im Umfang als auch im Fokus der Wahrnehmungen. Während eine angehende Lehrperson stärker textintern und eher eng fokussiert argumentiert, indem sie vor allem Kohärenz und formale Verknüpfungen berücksichtigt, identifiziert die andere Person zusätzlich implizite inhaltliche Leerstellen und funktional relevante Aspekte für ein lernförderliches Feedback. Diese Unterschiede führen zu divergierenden Einschätzungen desselben Lernendentextes und implizieren potenziell unterschiedliche Bewertungen KI-generierter Feedbacks. Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Förderung professioneller Wahrnehmungskompetenzen in der Lehrerbildung, insbesondere im Kontext KI-gestützten Feedbacks.
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