Was wir lesen, blickt uns an.
Die Ambiguität des literarischen Textes und einige Argumente für deren Berücksichtigung in didaktischen Kontexten
Abstract
Der folgende Beitrag legt zunächst dar, weshalb Ambiguität als ein konstitutives Merkmal des literarischen Textes betrachtet werden muss und fragt danach, inwiefern sich dieser – hinsichtlich seiner Fähigkeit, Mehrdeutigkeit herzustellen – von anderen Sparten der Kunst unterscheidet. Die Literatur erweist sich dabei als ein Geflecht aus symbolischen und mimetischen Bezüglichkeiten, was nicht zuletzt für eine Didaktik, die die Möglichkeiten zur performativen Ver- änderung des Seienden miteinbeziehen möchte, von entscheidender Bedeutung ist. Im weiteren Verlauf des Beitrags werden Passagen aus sehr unterschiedlichen Texten herangezogen, um zu verdeutlichen, dass die ästhetische Entscheidung für oder gegen ein hohes Maß an Ambiguität auch Auswirkungen auf die implizierten ethischen Überzeugungen hat, die im Text sichtbar werden und die vor allem an dessen Art der Kommunikation mit seinen Rezipient_innen zu erkennen sind. Zuletzt werden die Gratifikationen erläutert, die eine didaktisch oft herausfordernde Beschäftigung mit ambiguen Texten zu bieten hat. Diese sind in der Herstellung eines lebendigen Verhältnisses zur Welt, das die Inkommensurabilität derselben anerkennt und Distanz zum Wunsch nach Aneignung herstellen kann, zu verorten.
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