Vorbild Native Speaker?

Zu Möglichkeiten und Grenzen der Anerkennung neuer Formen migrationsgesellschaftlicher Varianten des Deutschen im Deutschunterricht

Autor/innen

  • İnci Dirim Universität Wien Autor/in
  • Nina Simon Universität Leipzig Autor/in

Abstract

Der Deutschunterricht nimmt traditionell eine zentrale Rolle bei der symbolischen Reproduktion und damit Sicherung eines (als solchen imaginierten) deutschsprachigen Nationalstaates ein. Im Zentrum dieser Reproduktion steht der Native Speaker des Deutschen, allerdings nicht im Sinne einer staatlichen sprachpuristischen Politik wie in Frankreich oder in der Gründungsepoche der Türkei. Vielmehr wird offiziell breit akzeptiert, dass Deutsch eine Sprache ist, die Einflüsse vieler Sprachen in sich aufnahm und -nimmt. Eine Auseinandersetzung mit den Einflüssen aus anderen Sprachen ist im Deutschunterricht folglich möglich und auch erwünscht (vgl. Oomen-Welke 2018). Allerdings sind migrationsgesellschaftliche Kontaktvarianten wie mit jemandem heiraten eher Objekt der Betrachtung als Teil verwendbarer Varianten, die zu lernen Grundlage von Leistungsbewertung ist. Damit bleibt das Konzept des Native Speaker in einer globalisierten und migrationsbedingt heterogenen Gesellschaft als Leitperspektive und Norm (mitsamt des ihr inhärenten exkludierenden Moments) erhalten. Im vorliegenden Beitrag wird zunächst aus (neo-)linguizismuskritischer Perspektive analysiert, welche Varianten des Deutschen im Deutschunterricht warum und wie anerkannt werden und welche subjektivierungsrelevanten Konsequenzen daraus für die Schüler*innen erwachsen. Überlegungen zu alternativen Vorgehensweisen runden den Beitrag ab.

Literaturhinweise

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Veröffentlicht

2022-12-14

Zitationsvorschlag

Dirim, İnci, & Simon, N. (2022). Vorbild Native Speaker? : Zu Möglichkeiten und Grenzen der Anerkennung neuer Formen migrationsgesellschaftlicher Varianten des Deutschen im Deutschunterricht. Leseräume, 8, 1-13. https://chost53.zim.uni-wuppertal.de/index.php/lr/article/view/51