Grundsätze der Textwiedergabe und TEI-Codierung
Für die TEI-XML-Codierung der schriftsprachlichen Dokumente gelten die folgenden Grundsätze:
Manu- und Typoskripte werden weitestgehend semidiplomatisch transkribiert und wiedergegeben, das heißt, dass alle Zeichen und Zeilen erfasst werden, jedoch linearisiert wiedergegeben werden. Die Topographie der einzelnen Textträger wird per Mouseover des Transkripts auf dem Faksimile zeilenbasiert überblendet. Graphische Markierungen, die Wühr in verschiedener Form verwendet, werden nur dann annotiert und dargestellt, wenn eine eindeutige Funktion identifiziert werden konnte. Absätze werden nicht mimetisch nachgebildet, sondern funktional dargestellt. Die einzelnen Schreibmedien werden in der Edition nicht durch unterschiedliche Schriftarten differenziert, können jedoch unmittelbar durch die Verknüpfung mit dem Faksimile sowie durch die in den Metadaten beigegebenen Informationen erschlossen werden.
Die Transkription erfolgt mit Hilfe des frei verfügbaren Transkriptionswerkzeuges Transkribus; die so gewonnenen Daten werden anschließend durch manuelle Annotation im XML-Quellcode ergänzt.1.
Ein besonderer Stellenwert hat die einzelne Zeile bzw. vielmehr der einzelne Vers. Der einzelne Vers bildet einerseits die Brücke zwischen den verschiedenen medialen Realisierungen eines Textes, zugleich ist die gesamte Edition um die einzelnen Verse herum aufgebaut. So ist es möglich, an verschiedenen Punkten der Edition stetig weitere Informationen zu einzelnen Versen, wie bspw. deren Vorkommen an anderen Stellen, abzurufen und so durch das Netz der Dokumente, zu navigieren. Die Anzeige weiterer Informationen erfolgt entsprechend dem grundlegenden Bedienungs- und Funktionsprinzips der Edition durch Mouseover.
Für die Auszeichnung der Transkripte von Manu- und Typoskripten, aber auch der Drucke, wird der Ansatz der sogenannten parallel transcription verwendet – topographische Informationen des Textträgers werden im Bereich des Elements
<facsimile>erfasst, strukturell-textuelle Informationen andererseits imtext-Element.2 Dieses Vorgehen ermöglicht die (flexible) Kombination einer dokumentnahen Transkription (siehe Punkt 1) bei zeitgleicher Auszeichnung bedeutungstragender Struktureinheiten wie Überschriften, Strophen oder auch Versen sowie deren unmittelbare Deutung.3Die 1973 veröffentlichte Druckfassung wird entsprechend der Vorlage transkribiert und wiedergegeben. Die räumliche Anordnung des Textes wird weitestgehend, wenn auch nicht mimetisch, nachgebildet. Texteingriffe werden nur im Falle offensichtlicher Setzerfehler, jedoch nicht bei bewusster Abweichung von der Standardorthographie, stillschweigend vorgenommen.
Bestandteile und räumliche Anordnung
Die von Wühr angefertigten Manu- und Typoskripte, insbesondere die konkreten Realisierungen einzelner Ausschnitte, lassen sich in der Regel in verschiedene räumlich voneinander getrennte Bereiche unterteilen. Typischerweise besteht ein Manu- oder Typoskript aus einem oder mehreren der folgenden Elemente:
Einem Kopfbereich (grün), in dem der Titel des Ausschnitts oder der Figuration notiert ist oder in seltenen Fällen eine Zählung, die die Figuration im Gesamtzyklus nummeriert.
Einem Hauptbereich, der unterteilt ist in den Text im engen Sinne (lila) sowie die Verweise auf die korrespondierenden Stellen der einzelnen Tonbänder (rot).
Metatextuellen Anmerkungen (gelb), die entweder Anmerkungen zum Text selbst enthalten, auf andere Textträger verweisen oder Notizen für die weitere Bearbeitung enthalten.
Einer Paginierung bzw. Nummerierung der einzelnen Seiten (hier nicht abgebildet).
Im Transkript werden diese Bereiche einerseits dokumentnah und andererseits textnah erfasst. Die dokumentnahe Transkription erfasst die Position der einzelnen Bereiche und deren Bestandteile auf dem digitalen Faksimile durch ein entsprechendes Koordinatensystem. Die textuelle Transkription erfasst die tatsächlichen Textbestandteile und bringt diese, im Unterschied zur Ordnung in der dokumentnahen Transkription, in eine linearisierte Ordnung. Textuelles und dokumentnahes Transkript sind über Fragmentbezeichner miteinander verknüpft.4 Zur Auszeichnung werden entsprechend der TEI-Guidelines folgende Tags verwendet:
| Kategorie | XML-Tag | Semantik |
|---|---|---|
| Topographische Auszeichnung | facsimile |
Einzelseite |
surface |
gesamter Schreibraum | |
zone |
einzelne Schreibräume differenziert über das Attribut | |
| Textuelle Auszeichnung | text; body |
obligatorische TEI-Tags zur Erfassung des Texts |
pb |
Seitenbeginn | |
div |
Verbund zusammenhängender Textstücke | |
head |
Motto / Überschrift | |
lg |
einzelne Strophe | |
l |
Vers (Segment) | |
note |
Anmerkung des Autors |
Die codierten Daten der beiden Transkripte werden durch XSLT-Skripte für die Ausgabe in HTML übersetzt. Die räumliche Anordnung wird hier im Regelfall nicht nachgebildet. Hiervon ausgenommen ist der Text, der von Wühr in der Marginalspalte platziert wird, da der räumlichen Anordnung eine eigene Bedeutung zugewiesen wird, um die topographische Anordnung in der Darstellung des Transkripts wiederzugeben. Es gelten die folgenden Grundsätze:
Interlineartext (über oder unter der Zeile) wird im Transkript, sofern eindeutig zuordenbar, direkt in die Basiszeile integriert und linearisiert wiedergegeben. Nicht eindeutig zuordenbarer Text wird in einer eigenen Zeile transkribiert und so wiedergegeben.
Marginaltext wird, sofern der räumlichen Anordnung eine eigene Semantik zugewiesen werden kann (bspw. im Falle von Schleifen), abstrahierend und nicht mimetisch als solcher wiedergegeben.
Leerzeilen zwischen Strophen oder auch zwischen Strophen und Überschriften werden abstrahierend und nicht mimetisch wiedergegeben.
Ein- und Ausrückungen werden nicht wiedergegeben.
Verschleifungen und Abkürzungen
Paul Wührs Handschrift ist auf mehreren Ebenen gekennzeichnet durch starke Reduktion – typisch sind einzelne oder auch mehrere fehlende Silben bzw. Graphen. Buchstaben werden häufig stark variierend und in Teilen unvollständig ausgeführt. Insgesamt kann zwischen weitestgehend konventionalisierten Abkürzungen, Verschleifungen am Wortende (ein oder mehrere Graph(en) bzw. Silbe(n)) und Auslassungen (Kontraktionen) im Wortinnern unterschieden werden (siehe Abb. 6.2).
Die konkrete Ausprägung sowie die Häufigkeit von Verschleifungen und Abkürzungen hängen unmittelbar mit der jeweiligen Schreibszene des Autors zusammen.5 Während Notizen, erste Entwürfe und Anmerkungen zum Text zumeist durch häufige Reduktion gekennzeichnet sind, sind Niederschriften im fortgeschrittenen Stadium durch eine Praxis der seltenen Verwendung von Suspensionen gekennzeichnet.6 Verschleifungen am Wortende und konventionalisierte Abkürzungen werden stillschweigend aufgelöst und nicht annotiert. Eindeutige Auslassungen einzelner Graphen werden als solche gekennzeichnet und durch Schrägstellung hervorgehoben. Dieses Vorgehen trägt einerseits dem in Kapitel 4.1 skizzierten Textmodell der hier beschriebenen Edition Rechnung, indem sich das in TEI-XML codierte Transkript weitestgehend diplomatisch an der Vorlage (TextD) orientiert. Andererseits wird immer dann – nicht zuletzt auch aus arbeitspraktischen Gründen – ein vereinfachter TextS erstellt, wenn es sich um weitestgehend unstrittige Auslassungen konventionalisierter Form handelt, wie ein fehlendes „en“ am Wortende (siehe Abb. 6.2).
Unsichere Lesungen und nicht entzifferte Zeichen
Unsichere Lesungen werden in grauer Schriftfarbe wiedergegeben.
Nicht entzifferte Zeichenfolgen, unabhängig von der jeweiligen Extension, werden als XX wiedergegeben. Einzelne nicht entzifferte Zeichen als X.
Vgl. TEI Consortium: TEI P5. Guidelines for Electronic Text Encoding and Interchange. 11.2 Combining Transcription with Facsimile.↩︎
Vgl. Sepúlveda und Henny-Krahmer: Titel- und Werkgenese in Pessoas Projekten und Publikationen, hier S. 217.↩︎
Wühr schafft sich für verschiedene Stadien der Werkgenese voneinander separierte Schreibszenen. Für ein ähnliches Beispiel vgl. Bosse: Zur Inszenierung des Schreibens in Literatur, Film und Edition. Das Beispiel Josef Winkler, S. 253.↩︎
Vgl. hierzu bspw. die handschriftliche Niederschrift der 19. Figuration, 19F1-UMa-108.↩︎