Einführung

Überlieferung

Bastian Politycki · schriftliche Ausarbeitung, Stand 27.10.2026

Der Vor- und Nachlass befindet sich seit 2012 im Wesentlichen im DLA und ist dort für Interessierte auf Anfrage zugänglich.1 Ein Teil des Vorlasses überließ Wühr jedoch zunächst Wolfgang Lukas, der diesen an seinem Lehrstuhl an der Bergischen Universität Wuppertal seitdem aufbewahrt. Der in Wuppertal befindliche Teil umfasst insbesondere textgenetische Materialien, die während Wührs Vorarbeiten zu den Originaltonhörspielen entstanden. Hierzu zählen sowohl Typoskripte mit umfassenden handschriftlichen Änderungen als auch handschriftliche Notizen und Manuskripte. Der sich im DLA befindende Teil umfasst hingegen Material zu den weiteren Hörspielen, Gedicht- und Prosatexten, autobiografisches Material sowie An- und Von-Briefe. Im DLA befindet sich zudem eine Vielzahl von Tonbändern und Tonkassetten. Die Tondokumente zu So eine Freiheit wurden vom DLA digitalisiert und für die Erarbeitung dieser Edition abgehört. Die in Wuppertal befindlichen schriftlichen Vorarbeiten hingegen bilden die Materialgrundlage für die Rekonstruktion der Textgenese und der Edition.2

Bestände und Aufteilung

Wie der gesamte Nachlass, so ist auch der Teilnachlass, welcher mit So eine Freiheit in Verbindung gebracht werden kann, räumlich über mehrere Standorte aufgeteilt. Die nachfolgende Auflistung erfasst summarisch die Bestände an verschiedenen Orten. Es werden jedoch nur die Ausschnitte aufgelistet, die mit So eine Freiheit in Verbindung gebracht werden können – die übrigen Nachlassmaterialien an diesen Standorten sind nicht aufgeführt. Einzelne Teile des Nachlasses wie das Skript, das Wühr im Herbst 1972 an die Rundfunksender verschickt hat, müssen als verschollen gelten. Anfragen an die Archive des WDR und BR verliefen ergebnislos und konnten keine weiteren Materialien ans Licht bringen. Es kann nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass sich in den rund 100 Kisten im DLA, die bisher nur oberflächlich erschlossen wurden, weitere relevante Materialien befinden. Alle Materialien, die durch die oberflächliche Erschließung einen ersten Zusammenhang zu So eine Freiheit vermuten lassen, wurden im Zuge der Heuristik, also der Identifikation der für die Edition infrage kommenden Textzeugen, gesichtet.

Neben den Nachlassbeständen in Wuppertal und Marbach finden sich auch in der Hörspielabteilung des ehemaligen Senders Freies Berlin – jetzt Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) – Materialien, die der Entstehung und Vorbereitung der Realisation zugeordnet werden können. Unter dem Standort Passignano sind in dieser Sammlung Materialien versammelt, die während einer Forschungsreise im Herbst 2022 im ehemaligen Wohnhaus der Wührs gesichtet wurden und sich bis zur Auflösung des Hausstands dort befanden. Eine Übergabe dieser Materialien an das DLA ist vorgesehen. Es ergibt sich insgesamt die nachfolgende Aufteilung:3

Provenienz Typ Beschreibung
Wuppertal Manu-, Typoskripte Hand- und maschinenschriftliche Selektionen ausgewählter Stellen der Tonbandaufnahmen sowie Entwürfe der Figurationen in verschiedenen Fassungen. Handschriftliche Notizen, Skizzen u.ä. Insgesamt 1.564 Blatt.
Druckfahnen Druckfahnen zur Vorbereitung des Originaltextbuches So spricht unsereiner. Insgesamt 138 Blatt, davon 46 Blatt zu So eine Freiheit, an denen keine weiteren Bearbeitungen vorgenommen wurden.
Briefe, Sonstiges Briefe von Paul Wühr an Klaus Schöning und Johann M. Kamps sowie von Kamps an Wühr. Stellungnahmen Wührs zu So eine Freiheit sowohl hand- wie auch maschinenschriftlich mit mehreren Überarbeitungsschichten.
Tagebücher A: Wühr, Paul. Karton 80: Vier Mappen maschinen- und handschriftlicher Tagebucheinträge.
Kalender A: Wühr, Paul. Karton 75: In einem Schuber finden sich ein faltbarer Taschenkalender des Autors aus den Jahren 1991 und 1992, aus denen hervorgeht, dass Wühr in jedem Fall im Mai 1991 und im März 1992 an So eine Freiheit gearbeitet hat.
Tonbänder H: Wühr, Paul: 21 Tonbänder des O-Ton-Material, diese enthalten die ursprünglich von Wühr und Geers geführten Interviews.
Berlin Manuskripte 3 Manuskripte mit z.T. zahlreichen handschriftlichen Überarbeitungen zur Vorbereitung der Realisation.
Briefe Briefe zwischen Inge Wühr und dem SFB, Inge Wühr und Jürgen Geers sowie zwischen Jürgen Geers und dem SFB.
Hörspielaufzeichnung (Digitalisierte) Aufzeichnung des Hörspiels für die Sendung am 16.6.1992.
Passignano Manuskripte Handschriftlich überarbeitete Ausgabe des Originaltext-Buchs zur Vorbereitung der Realisation.
Briefe Chronologisch geordnete Briefwechsel zwischen Wühr und verschiedenen Rundfunkanstalten.

So eine Freiheit erschien 1973 als Teil des Originaltext-Buches im Carl Hanser Verlag in der Reihe hansermanuskripte. Die typografische Gestaltung sticht besonders hervor. So ist sämtlicher Text, abgesehen von den vorangestellten Titeln, in einer nichtproportionalen Type, vermutlich Courier, gesetzt. Neben einem Vorwort Wührs und einem Nachwort von Jörg Drews sind hier zudem die schriftlichen Fassungen der weiteren O-Ton-Arbeiten Wührs aus den frühen 70er Jahren enthalten. Im Nachlass ist zudem ein Abzug der Druckfahne, vermutlich eine Xerokopie, mit handschriftlichen Anmerkungen überliefert, der in der typografischen Gestaltung dem anschließenden Druck entspricht.

Der Druck wird als eigene mediale Realisierung begriffen und dem Hörspiel gleichwertig behandelt – die Druckfahne wird als Teil der Textgenese angesehen und ist über das Dokumentarchiv sowie den Apparat einer einzelnen Figuration auffindbar. Für die Vorbereitung der Realisierung nutzt Wühr u.a. ein Exemplar des veröffentlichten Originaltext-Buchs und nimmt hier handschriftliche Überarbeitungen und Anmerkungen vor. Dieses Druckexemplar, das sich bis zuletzt im Wohnhaus der Wührs in Passignano im Arbeitszimmer des Autors befand, wird wie ein Manuskript behandelt und als Teil des textgenetischen Prozesses verstanden.

Tonbänder und Hörfassung

Auf Grundlage der Tonbänder wurde im SFB im März 1992 die Hörfassung produziert. Die eigentliche Produktion erfolgte zwischen dem 16.3.1992 und dem 20.3.1992 sowie dem 23.3.1992 und dem 27.3.1992. Das in Stereo ebenfalls auf Tonband produzierte Hörspiel wurde vom Nachfolger des SFB, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, digitalisiert. Die technischen Parameter der Digitalisierung sind nicht bekannt. Die Interviewaufnahmen werden während der Produktion nach Umspielen und nach der Vorlage der Notationen auf den Manuskripten und Typoskripten geschnitten. Im Studio selbst werden nur die jeweiligen Motti, eingesprochen von Katja Teichmann, aufgenommen. Verstärkend wird ebenfalls per Bearbeitung im Studio eine Halbtontreppe eingefügt, die sich in die entstehende Gesamtkomposition einfügt:

Die in der Edition wiedergegebene Hörfassung basiert auf diesem Digitalisat. Aus urheberrechtlichen Gründen werden die einzelnen Figurationen aus dem Gesamthörspiel herausgelöst und entsprechend zum Anhören angeboten. Ein Download der Audioquelldaten kann aus ebendiesen Gründen nicht angeboten werden.

Anmerkungen zur Materialauswahl

Der überlieferte Teilnachlass wird weitestgehend vollständig erschlossen, ediert und in der digitalen Edition präsentiert.4 Nicht berücksichtigt werden Xerokopien ohne Varianz zur Vorlage, die Druckfahnen, die sich ebenfalls nicht vom Druck und der letzten Typoskriptfassung unterscheiden, Epitextuelles sowie die Taschenkalender. Die Tonbänder, die die ursprünglichen Interviews enthalten, werden lediglich als Metadatensätze in die Edition aufgenommen. Ferner werden nur Materialien des Wuppertaler Teilnachlasses bearbeitet, die sich eindeutig auf So eine Freiheit beziehen lassen. Die Dokumente in den Mappen 43.1 a–c, die keinen direkten Bezug zur Entstehung aufweisen, bleiben daher unberücksichtigt. Hierzu zählen u.a. allgemeine Lektürenotizen als auch Überlegungen zur O-Ton-Poetik.


  1. Vgl. Wühr, Paul; deutscher Hörspielautor und Lyriker - Munzinger Online.↩︎

  2. Die Dokumente des Wuppertaler Teils wurden hochauflösend (600dpi) im TIFF-Format digitalisiert und sind, sofern in selbige aufgenommen, in der digitalen Edition (als JPEG) zugänglich.↩︎

  3. Die tabellarische Auflistung dient der Übersicht und versteht sich nicht als vollständige Erschließung der Bestände. In die hier konzeptionierte digitale Edition fließen im Wesentlichen Materialien ein, die unmittelbar für die Textgenese relevant sind. Auf eine Zuordnung der Materialien zum Siglensystem wird an dieser Stelle verzichtet – eine Erläuterung zum Aufbau des Siglensystems findet sich in 5.2.2.↩︎

  4. Teil der Abgabefassung ist keine vollständige Edition des Teilnachlasses. Die digitale Edition ist hier als prototypische Umsetzung zu verstehen, die wesentliche Bestandteile des Teilnachlasses ediert und so die Funktionalität der digitalen Präsentationsschicht demonstriert.↩︎